»Das Meer ist wie unsere Seele …«
 

Es ist Paul, der das sagt und aufs Meer schaut, beide Hände auf die Krücken gestützt. Adri neben ihm, angetrunken, die Flasche steckt in der Jackentasche. Die Ereignisse haben beide Männer an den Rand ihrer Kräfte gebracht.

Adri denkt darüber nach. »Wenn ich schwimme, oder in einem Boot sitze, dann bin ich ganz eins mit mir?« (…)

Diese Szene spielt am Strand, kurz vor Auflösung des Falls in meinem neuen Krimi, der gerade im Lektorat ist. Das Meer, die See ist allgegenwärtig. Der Mann oben auf dem Bild könnte Paul sein, eine der beiden Hauptfiguren. Der Hamburger Kriminalhauptkommissar, der seinen Vater in Havgart besucht. Dieser (fiktive) Ort in der Weißenhäuser Bucht döst im Frost des Februars vor sich hin und Paul ist gehandicapt, weil er von der Leiter gefallen ist und mit Krücken herumstakst. Vom Schwimmen in der Ostsee ist also keine Rede. Aber doch ist es eines der Bilder von Paul, die ich im Kopf habe. Und das ich mir heranzoomen kann, wann immer ich es brauche.

»Last man standing« heißt das Foto des Wuppertaler Fotografen und Digitalkünstlers Dirk Wüstenhagen. Es ist ein Ausschnitt und es könnte auch ein Gemälde sein. Der Mann wartet auf die nächste Welle. Er ist ganz allein, »last man«, der Letzte, der Einsame. Ist er wirklich alleine am Strand? Ist es morgens, abends? Das Licht, die Farben geben keinen Hinweis. Es ist ein surreales Bild, ein Traum, etwas das gerade passiert oder auch nicht, ein Déjà-vu vielleicht.

Dirk Wüstenhagen bearbeitet seine Fotografien so lange, bis er sie gefunden hat, diese Stimmung des flüchtigen Jetzt. Wir Schriftsteller machen im Grunde nichts anderes, wenn wir beschreiben, was wir gesehen haben, vielleicht im Café oder in der U-Bahn. Ich halte das Bild analog fest, auf irgendeinem Stück Papier. Später wird diese Szene solange bearbeitet, bis sie das ausdrückt, was ich empfunden habe, beim Sehen, beim Hören. Dann entsteht das, was beim Leser wiederum ein Bild mit einer Stimmung erzeugt. Je lebendiger das Ganze, umso besser.

Infos zum Buch

Teil 1 meines (Winter-) Krimis um Paul Lupin und seinen Vater Johann erscheint im Frühjahr 2020. Es soll der Auftakt einer Reihe um die beiden werden. Paul, dessen Job als Kommissar in Hamburg kaum Zeit für ein Privatleben lässt, will sich mehr um seinen alten Vater kümmern, der immer eigensinniger und sturer wird. Eine Vater-Sohn-Geschichte vor Ostsee-Kulisse, mit Dorfleben, Saisontouristen, Landtristesse, Liebe und abgrundtiefem Hass.

Teil 2 ist geplottet und ein Drittel steht in der Erstschrift: Es ist Sommer, Paul kann in der Ostsee schwimmen und endlich hat dieser Sehnsuchtsort an der Küste Ostholsteins die Chance, in all seiner Herrlichkeit zu erstrahlen. Was natürlich ein jähes Ende finden wird …

So weit, so gut. Und sonst?

Hier an dieser Stelle schreibe ich regelmäßig über das Werden meiner aktuellen Projekte, Lesungen und Veranstaltungen.
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